Die Hoffnung noch nicht aufgegeben

Im letzten Post habe ich erwähnt, dass wir uns ein bisschen außerhalb der „Touri-Gegend“ aufgehalten haben und eine grandiose Landschaft erleben durften, und dass es einem manchmal die Lebenseinstellung völlig auf den Kopf stellt, wenn man sich aus seinem Alltag raustraut. Hier ein weiteres Beispiel, das sogar mit diesem Tag zusammenhängt.

Eine kleine Vorgeschichte:

Wie schon vorher erwähnt, hielten wir uns die Wochen vor diesem Tag hauptsächlich in touristischen Orten auf. Ich weiß nicht, ob das überall in der Welt so ist, aber leider verhielten sich Einheimische gegenüber uns richtig unfreundlich, nutzten die Touristen etwas aus und es kam bei uns jedenfalls so rüber, als würden sie in jedem „Weißen“ mit großem Rucksack nur Dollar-Zeichen sehen. Massenabfertigung während der Touren und kein wirkliches Interesse an den Personen selbst, nur an deren Geld. Um nicht so ignorant zu sein und ein wenig Verständnis zu zeigen, habe ich mir gedacht: „Naja, die sehen hier jeden Tag so viele Touris, jeden Tag das gleiche. Das wird bestimmt langweilig und für die sind wir halt Haupteinnahmequelle.“ Trotzdem ist es kein gutes Gefühl, nicht wirklich willkommen zu sein und sich eher als einen Eindringling als einen Besucher zu fühlen.

Fast forward:

Wir spazierten also an diesem Tag durch ein Dorf – ein richtiges Kaff, nicht einmal die Sammeltaxis, die sonst überall hinkommen, fuhren bis dahin. Ein paar Leute schauten uns merkwürdig nach, die Kinder konnten ihr Staunen natürlich noch weniger zurückhalten. Als wir von den orangen Felsen auf den Rückweg machten, passierten wir das Dorf noch einmal und offensichtlich wurde gerade ein kleines Fest gefeiert. Der (wahrscheinlich) Bürgermeister und seine Kollegen saßen in der Mitte an einem Tisch und vermutlich der Rest der Dorfbevölkerung versammelte sich rundherum, Essen wurde ausgeteilt. Wieder verfolgt von ein paar neugierigen Blicken, fühlten wir uns schon fast ein bisschen unwohl… bis uns eine Frau aufhielt und uns einen Teller gefüllt mit Mais, Salat, Bohnen, Bratkartoffeln und einem Stück Fleisch in die Hand drückte und uns auf das Essen einlud. So etwas hatten wir noch nie erlebt! Sonst würden wir für jede noch so kleine Sache extra bezahlen müssen (the perks of being a tourist!), und jetzt gab dieses kleine Dorf uns etwas von seinem Festessen ab. Mit diesem Kontrast an Verhalten konnte wir fast nicht umgehen. Später fanden wir heraus, dass sich die Bewohner alle aufgrund der Neueröffnung der Grundschule dort eingetroffen haben, um dies zu feiern.

P1050492

Diese kleine aber äußerst nette Geste hob uns wieder ein bisschen aus unserem Tief und verdrängte unsere Gedanken, dass uns hier eh jeder nur ausnutzen will. Trotz des ein oder anderen Blickes, fühlten wir uns wie willkommene Gäste und entschieden, dass wir das Gute in den Menschen hier in Bolivien noch nicht ganz aufgeben sollten. Und wie sich herausstellte, sind die Bolivianer wirklich nicht so, wie wir sie ursprünglich eingeschätzt haben. Anfangs ein wenig scheu wirken sie auch nicht unbedingt freundlich, aber sobald man sich mehr mit ihnen unterhält (und sich somit von der Touri-Masse abhebt und für sie erst eine Persönlichkeit darstellt), werden sie sehr nett und hilfsbereit.

Für mich persönlich war dies hier in Südamerika die erste so richtig drastische negative Erfahrung mit unfreundlichen und unaufmerksamen Einheimischen in extrem touristischen Gegenden, zum Beispiel in Restaurants oder Unterkünften oder auch an Busbahnhöfen. Ist das sonst auch normal und habe ich das immer verpasst? Wie waren eure Erfahrungen?

XX

Ella

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s