Ab vom Schuss

Unverhofft kommt oft – so heißt ein Sprichwort, das wohl auf diesen Tag komplett zutrifft: Da mein Freund und ich eher Natur- als Stadtmenschen sind, wollten wir aus Potosi raus, um uns die Landschaft anzuschauen. Empfohlen vom „Tourismusbüro“ fuhren wir in ein Tal, wo es angeblich nach einer kurzen Wanderung eine Lagune names Ojo del Inka („Auge des Inka“) mit heißen Quellen geben sollte. Man könnte auch ein bisschen durch die Dörfer spazieren. Nach einer halben Stunde colectivo-Fahrt kamen wir in einem kleinen Dorf an, keiner hatte eine Ahnung wo wir hinwollten aber das Dorf war übersäht mit einem halben Dutzend Thermalbädern. Nicht wirklich das, was wir suchten. Also spazierten wir weiter in das Tal rein, das immer enger wurde, und erreichten ein weiteres Dorf, wo allem Anschein nach jeder zweite noch nie einen „Weißen“ gesehen hatte. Von den merkwürdigen und teilweise bösen Blicken ließen wir uns allerdings nicht aufhalten und setzen unsere Wanderung auf der Schotterstraße fort, die uns an einem Flussbett vorbeiführte. Die Zypressen dort erinnerten mich ein wenig an Italien.

 

Doch was danach kam, damit hatte keiner von uns beiden gerechnet: Plötzlich bauten sich riesige, orange-farbene Felsen, ja fast schon Klippen vor uns auf. Aus der Wanderung wurde sozusagen ein kleines Abenteuer, während sich die Straße durch die immer höher werdenden Steinbrocken schlängelte. Wir kletterten hoch zu einer Höhle, die sich aus einem für mich unerklärlichen Grund in die Felsen gegraben hatte, und machten dort eine kleine Pause und genossen die gigantische Aussicht der Umgebung. Nur manchmal gestört von den wenigen Geländewagen bepackt mit verwunderten Arbeitern, hatten wir dieses „Steinmeer“ fast für uns alleine. Ein wahres Gefühl von Freiheit und Unbefangenheit!

 

Manchmal ist es so einfach, aus dem Alltag auszubrechen und etwas Neues zu erleben. Das trifft auch zu, wenn man nicht gerade auf Reisen ist. Ein kleiner Spaziergang im Wald oder eine Autofahrt in das Unbekannte kann vieles bewirken und in einem verändern und einem ein ganz anderes Lebensgefühl geben. Für uns war das ein perfekter Zeitpunkt für diesen besonderen Moment. Die letzen Wochen haben wir uns fast nur in ziemlich touristischen Gegenden aufgehalten, was natürlich auch seine Vorteile hat. Ich fühle mich während dieser Touren allerdings oft wie ein Kindergarten-Kind, das sonst selbst nichts auf die Reihe kriegt, als dem Guide zu folgen oder die Must-See’s zu besuchen. Das selbe Gefühl, das man im Alltag auch manchmal bekommt, wenn man jeden Tag einfach seiner eigenen Routine folgt, aber nicht viel darüber nachdenkt und sonst nicht viel „gebacken“ kriegt. Ein kleiner Ausreißer kann einem da schon die notwendige „Frische“ geben, um wieder neu inspiriert und happy in den Alltag zurückzukehren. Es hat auch ein wenig damit zu tun, seine eigene Comfort-Zone zu verlassen und einen unbekannten Schritt zu wagen, auch wenn das anfangs Angst machen kann. Meinen Erfahrungen zufolge lohnt sich das immer – manchmal sofort (wie hier!) und manchmal merkt man es erst viel später. Das Gute ist, dass wir alle die Möglichkeit haben, neue Sachen auszuprobieren, sie weiterhin zu verfolgen oder sie auch wieder sein zu lassen. Diese Freiheit sollten wir auch ausnutzen!

Übrigens, dieses Ojo del Inka haben wir im Nachhinein dann doch noch gefunden – allerdings weiter talauswärts. Und es war ein richtiger „Fail“! Der kleine Tümpel war dann auch noch zum Schwimmen geschlossen, da wohl einige Wochen vorher jemand darin ertrunken sei. Da waren wir auf jeden Fall froh, dass wir anfangs die falsche Richtung eingeschlagen haben.

 

Ach ja, das ist mein erster Post hier auf Deutsch. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Schreiben in dieser Sprache mag. Anfangs war es richtig schwer und holprig, aber irgendwie wurde es zum Ende hin besser. Lasst es mich doch in den Kommentaren wissen, wie es euch besser gefällt – damit ich so einen kleinen Anhaltspunkt habe. :-)

XX

Ella

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